HDI-Leiterplatte (SBU)

Miniaturisierung und höchste Packungsdichte

Was ist eine HDI-Leiterplatte?

Eine HDI-Leiterplatte (High Density Interconnect) ist eine Multilayer-Leiterplatte mit mindestens vier Lagen, die im Sequential Build Up (SBU)-Verfahren in mehreren Presszyklen aufgebaut wird. Kennzeichnend sind Leiterbahnbreiten und -abstände (Line/Space) ab 75 µm sowie der Einsatz von Microvias (lasergebohrt), Buried Vias (vergrabene Bohrungen) und Stacked oder Staggered Via-Strukturen. HDI-Technologie ermöglicht höhere Packungsdichten als konventionelle Multilayer-Leiterplatten und ist die Standardtechnologie für miniaturisierte Elektronikbaugruppen mit hoher Pin-Dichte.

KSG als HDI-Hesteller in Europa

Die KSG GmbH produziert HDI-Leiterplatten an zwei eigenen Fertigungsstandorten in Europa: in Gornsdorf (Deutschland) und Gars am Kamp (Österreich). Als einer der größten PCB-Hersteller in Europa fertigt KSG nach den Qualitätsstandards IPC-Class 2 & 3, ISO 9001, IATF 16949 und ISO 13485 und ist damit für anspruchsvolle Branchen wie Automotive, Medizintechnik und Luft- und Raumfahrt qualifiziert.

KSG exterior view at the Gornsdorf site

Ihre Vorteile mit HDI-Leiterplatten

  • Maximale Packungsdichte

    Leiterbahnstrukturen ab 75 µm Line/Space ermöglichen höchste Integrationsdichten auf kleinstem Bauraum.

  • Verbesserte EMV-Eigenschaften

    Kürzere Leiterbahnlängen reduzieren Störsignale und verbessern das EMV-Verhalten der Baugruppe nachweislich.

  • Vereinfachte Entflechtung

    Das HDI-Layout erlaubt einseitige Bestückung mit hoher Dichte, vereinfacht Routing und reduziert Bestückungskosten.

  • Freie Bauteilplatzierung

    Buried Vias und Microvias belegen keine Außenlagenfläche, volle Designfreiheit auf allen Ebenen.

  • Reduzierte Lagenanzahl

    Effizientere Umverdrahtung durch Via-Strukturen spart Lagen und senkt dadurch Fertigungskosten.

  • Zukunftssichere Technologie

    HDI ist der etablierte Standard für Miniaturisierung in Automotive, Medizintechnik und Consumer Electronics.

HDI-/SBU-Technologie: Herstellungsverfahren

Im Sequential Build Up (SBU)-Verfahren werden mehrere Multilayer-Kerne sequenziell miteinander verpresst. Jeder Presszyklus fügt neue Kupferlagen hinzu, die über verschiedene Bohrverfahren elektrisch verbunden werden. Für Aufbauten mit hoher Lagenanzahl wird der Einsatz von Basismaterial mit optimierter Z-Achsen-Ausdehnung (z. B. mit niedrigem CTE) empfohlen, um Zuverlässigkeitsprobleme durch thermische Ausdehnung zu minimieren.

Via-Typen im Vergleich

Microvia (Laservia)

Lasergebohrt, Ø typisch 50–150 µm. Verbinden benachbarte Lagen auf der Außenlage. Füllvarianten: Copper-Filling (Typ VII), Plugging oder Harzverfüllung.

Buried Via

Vergrabene Bohrung, mechanisch gebohrt. Verbindet innere Kupferlagen ohne Außenlagenfläche zu verbrauchen. Erhöht verfügbare Routingfläche auf Außenlagen erheblich.

Stacked / Staggered Microvia

Gestapelte (Stacked) oder versetzte (Staggered) Microvias über mehrere Lagen. Stacked erfordern Microvia-Copper-Filling; Staggered sind prozesssicherer.

Leistungsspektrum und technische Spezifikationen

Parameter Spezifikation Hinweis
Anzahl der Lagen
4 – 30
Ab 4 Lagen als HDI-SBU ausführbar
Leiterplattendicke
0,5 – 3,20 mm
Line / Space
ab 75 µm / 75 µm
Mit moderner Laserdirektbelichtung
Materialien
FR4, Hochfrequenzmaterialien
Optimierter CTE für HDI-Aufbauten
Glasübergangstemperatur (Tg)
135 / 150 / 170 / 180 °C
Materialabhängig
Aspektverhältnis Durchgangsbohrung
≤ 1:10
Aspektverhältnis Laservia
≤ 1,1:1
Via-Fülltechnologien
Filled and capped Typ VII, Microvia-Copper-Filling
Entscheidend für Stacked Microvias
Oberflächen
ENIG, Chem. Zinn, ENEPIG, OSP, Galv. Ni/Au
Weitere auf Anfrage
Lötstoppmaske
Grün, Rot, Blau, Schwarz (gl./matt), Weiß, Gelb
Die angegebenen Werte stellen das maximale Leistungsspektrum dar und können in bestimmten Kombinationen eingeschränkt sein.

Typische Anwendungen und Branchen

HDI-Leiterplatten sind überall dort die richtige Technologiewahl, wo hohe Integrationsdichte, geringe Baugröße und Signalintegrität gleichzeitig gefordert sind:

  • Automotive (ADAS)

    Fahrerassistenzsysteme, Radar-Steuergeräte, Hochvolt-BMS. IPC Class 3, IATF 16949

  • Industrieelektronik

    Leistungselektronik, Embedded-Systeme, komplexe Steuereinheiten

  • Medizintechnik

    Implantate, Diagnostik, bildgebende Verfahren. ISO 13485-Fertigung, IPC Class 3

  • Verbesserte EMV-Eigenschaften

    IoT-Sensorik, Radar, LiDAR Kombination HDI mit Hochfrequenzmaterial möglich

  • Luft- und Raumfahrt

    Avionik, Satelliten, Sensorik. Höchste Zuverlässigkeits­anforderungen, qualifizierte Prozesse

  • EMS / Contract Manufacturing

    Serienproduktion und Musterfertigung in Serienqualität, ab Losgröße 1

Entscheidungshilfe: HDI oder Standard-Multilayer?

HDI-Leiterplatten sind überall dort die richtige Technologiewahl, wo hohe Integrationsdichte, geringe Baugröße und Signalintegrität gleichzeitig gefordert sind:

Kriterium HDI / SBU Standard-Multilayer
BGA / µBGA Bauteile (< 0,8 mm Pitch)
✓ Optimal
✗ Begrenzt
Platzmangel / Miniaturisierung
✓ Optimal
✗ Begrenzt
Signalintegrität bei High-Speed-Signalen
✓ Sehr gut
~ Bedingt
EMV-kritische Anwendung
✓ Empfohlen
~ Eingeschränkt
Standardanwendung, unkritische Dichte
~ Möglich
✓ Kostengünstiger
Fertigungskosten
Höher (SBU-Prozess)
Niedriger

Häufige Fragen zu HDI-Leiterplatten

Was ist der Unterschied zwischen HDI und Standard-Multilayer-Leiterplatten?

Standard-Multilayer-Leiterplatten werden in einem einzigen Presszyklus hergestellt und verwenden ausschließlich mechanisch gebohrte Durchkontaktierungen. HDI-Leiterplatten werden im Sequential Build Up (SBU)-Verfahren in mehreren Presszyklen aufgebaut und setzen zusätzlich lasergebohnte Microvias und vergrabene Bohrungen (Buried Vias) ein. Das ermöglicht feinere Leiterbahnstrukturen (ab 75 µm), höhere Packungsdichten und die Verarbeitung von Bauteilen mit sehr hoher Pin-Dichte wie BGAs mit Pitches unter 0,8 mm.

HDI ist empfohlen, sobald: (1) Bauteile mit hoher Pin-Dichte (BGA, µBGA, QFN unter 0,5 mm Pitch) verbaut werden müssen, (2) der Bauraum stark begrenzt ist und die Lagenzahl minimiert werden soll, (3) High-Speed-Signale hohe Anforderungen an Signalintegrität stellen oder (4) einseitige Bestückung mit hoher Dichte angestrebt wird. Für unkritische Standardanwendungen ohne Miniaturisierungsdruck ist Standard-Multilayer wirtschaftlicher.

Stacked Microvias sind direkt übereinander gestapelte Laserbohrungen, die mehrere Lagen verbinden. Sie erfordern vollständige Kupferfüllung (Microvia-Copper-Filling, Typ VII) für mechanische Stabilität. Staggered Microvias sind seitlich versetzt angeordnet und verbinden jeweils benachbarte Lagenpaare. Staggered-Strukturen sind prozesssicherer und kostengünstiger; Stacked-Strukturen ermöglichen kompaktere Designs, sind aber anspruchsvoller in der Fertigung.

Standard-HDI-Aufbauten verwenden FR4-Basismaterial mit erhöhter Glasübergangstemperatur (Tg 150–180 °C). Für hohe Lagenanzahlen empfiehlt sich Material mit niedrigem CTE in Z-Richtung. Für Hochfrequenzanwendungen in Kombination mit HDI stehen spezielle HF-Materialien (z. B. PTFE-basiert) zur Verfügung.

Ja, KSG fertigt Muster und Express-Boards in identischer Serienqualität mit gleichen Materialien, gleichen Prozessen und gleichen Prüfmethoden wie in der Serienproduktion. Muster können direkt über das Expertenteam des Technischen Supports angefragt werden.

Microvias (gelasert) auf Außenlagen

Microvias Aufbauvariante auf Außenlage HDI-LeiterplatteMicrovias (gelasert) in Kombination mit durchkontaktierten Laminaten (mechanisch gebohrt)

Microvias Aufbauvariante mit uchkontaktierten Laminaten (gelasert) HDI-LeiterplatteMicrovias (gelasert) in Kombination mit Buried Vias (mechanisch gebohrt)

Microvias Aufbauvariante mt Buried Vias (mechanisch gebohrt) HDI-LeiterplatteStaggered Microvias (gelasert) in Kombination mit Buried Vias (mechanisch gebohrt) – von L2 auf Ln-1

Staggered Microvias (gelasert) in Kombination mit Buried Vias (mechanisch gebohrt) HDI-LeiterplatteStaggered Microvias (gelasert) in Kombination mit Buried Vias (mechanisch gebohrt) – von L3 auf Ln-2

Staggered Microvias (gelasert) mit Buried Vias (mechanisch gebohrt) von L3 auf Ln-2 HDI-LeiterplatteStacked Microvias (gelasert) mit Microvia-Copper-Filling in Kombination mit Buried Vias (mechanisch gebohrt)

Staggered Microvias (gelasert) mit Buried Vias (mechanisch gebohrt) von L2 auf Ln-1 HDI-LeiterplatteDouble Core

Lagenaufbau eines HDI-Multilayer mit 8 Lagen (4x4) HDI-Leiterplatte

Portrait von Herrn Johann Hackl Technischer Support KSG GmbH

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Der Technische Support von KSG begleitet Ihre HDI-Leiterplatte von der ersten Designidee bis zur Serienfertigung. Das Leistungsangebot umfasst: PCB Design- und Layoutcheck, Impedanzberechnung, Lagenaufbauberechnung, Strombelastbarkeitsanalyse, thermische Analyse sowie Langzeit- und Alterungstests.

Über den Digital Design Compass stehen alle Designregeln, Aufbauvarianten und Design-to-Cost-Hinweise für alle KSG-Technologien rund um die Uhr digital abrufbar zur Verfügung – kostenlos für registrierte Nutzer.

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